Ohne Katze.... - Pfötchenclub-Olpe

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Marias Katzenwelt
Ohne Katze geht es nicht…….

von Maria Hof

 Am 8. Mai  haben wir unsere Laura im Garten begraben. Zwischen einem Apfelbäumchen  und dem Grenzstein. Einige Tage später habe ich eine kleine Konifere gepflanzt und Oliver hat ein Holzkreuz zusammen genagelt und in seiner Kinderschrift „Laura" daraufge-schrieben. In bunten Buchstaben. Laura war unsere Tigerkatze, sie ist genau 10 Jahre alt geworden.

Am Nachmittag habe ich sie gerufen. Wie immer kam sie sofort. Hat unter ihrem Busch im Garten gelegen, vor der Sonne geschützt. Wie ein ganz übler Verräter habe ich mich dabei ge-fühlt,   als ich sie in ihren Korb packte und  zusammen mit Peter zur Tierärztin gefahren bin. Ich habe darum gebeten, nicht warten zu müssen. Es ging dann auch ganz schnell. Unsere Entscheidung war richtig im Sinne des Tieres. Obwohl wir alle unendlich traurig waren…….

Unser Sommerurlaub stand be-vor und ich war ein wenig abge-lenkt. Die Kinder haben es ganz gut verkraftet, sind halt schon recht vernünftig. Sobald wir wieder zu Hause sind, fahren wir ins Tierheim und holen uns eine neue Katze. Natürlich wieder eine Tigerkatze! Laura war so lieb und anhäng-lich. Nie mussten wir uns irgend-welche Sorgen um sie machen. Damit es keine Diskussionen gibt, wollen Peter und ich alleine ins Tierheim fahren. Aber es kommt auch dieses Mal, wie so oft, alles ganz anders.
Oliver besteht nachdrücklich darauf, uns ins Tierheim zu be-gleiten. Die Tierpflegerin öffnet uns die Türe zum Katzenhaus: „Sie ha-ben ja schon ein Körbchen mitge-bracht! Momentan haben wir gar nicht so viele Katzen hier." „Wir hätten gerne eine Tigerkatze, nicht unbedingt ein Baby, aber ein junges Tier."

Drei Tiger können wir entdecken. Eine ist ein wildes verängstigtes Tier, wurde in einem Container gefunden, der wochenlang unter-wegs war. Die nächste ist frisch operiert. Kann erst in frühestens einer Woche abgegeben werden. Die dritte leidet an einer Ent-zündung im Mund und wird be-handelt. Das möchten wir nicht so gerne, denn aus diesem Grun-de mussten wir unsere Laura einschläfern lassen.

Wir beschließen, diese Entscheidung ein wenig zu vertagen. Schließlich sind Katzen keine Mangelware. Schon öffnen wir die Tür nach draußen, als Oliver plötzlich stehen bleibt: „Oh, wie süß, der Kleine da, wollen wir den nicht mitnehmen? Der ist doch so schön!" „Das ist Gino, ein Kater, wurde erst vor 10 Min. wegen einer Allergie abgegeben. Er ist völlig unkompliziert, bereits geimpft und entwurmt."
„Bitte, bitte, ich möchte diesen Kleinen mitnehmen. Er ist so niedlich!" Gino, er ist schwarz/
weiß und ziemlich asymmetrisch gemustert, springt laut miauend immer wieder an der Scheibe hoch. Ganz klar, er will mit. „Entweder wir gehen mit einer schwarz/weißen Katze nach Hause oder mit gar keiner", entscheidet Peter. Halbherzig stimme ich seinem ersten Vor-schlag zu, denn allen Ernstes: Ist die Fellfarbe einer Katze wirklich wichtig?
Ab sofort ist Gino der „Kleine". Er lässt sich gerne in sein Körbchen legen und fühlt sich neben Oliver im Auto auch sofort wohl.
Sein neues Zuhause erkundet er augenblicklich. Er nimmt die oberste Etage sowie den Keller gleich in Augenschein. Fressplatz, Futter und Katzenklo sind vorhanden, und Gino weiß alles richtig zu benutzen, obwohl er erst 11 Wochen alt ist. Ein perfekter kleiner Kerl an dem wir alle viel Freude haben. Er ist so lebhaft und neugierig und entwickelt sich prächtig. In jeden Karton und in jede Tüte klettert er hinein, sogar in die Waschmaschine und den Topfschrank in der Küche.
Seine kleinen spitzen Krallen schlägt er tief in unser neues gu-tes Sofa und manchmal auch in Peters Beine. Dabei ist es ihm ziemlich egal, ob Peter Jeans trägt oder nicht. Meine zarten weißen Wohnzimmergardinen sehen auch nicht mehr so schön aus, denn sie eignen sich hervorragend zum Klettern. Überall sind Fäden heraus-gezogen. Na, irgendwann ist er erwachsen und hat sich ausgetobt und dann gibt es bestimmt noch viel schönere Gardinen zu kaufen.

Kein Baum ist ihm hoch genug. Oft haben wir die Luft angehalten und im Geiste schon eine Leiter herbeigeschafft oder gar die Feuerwehr gerufen. Zeitweise erinnert er an einen Hund; er kann Bälle in der Luft auffangen.
Unser Grundstück ist ein wahres Paradies für ihn, nahe am Wald gelegen. Es gibt einen großen Komposthaufen, in dem Mäuse wohnen. In den Ritzen unserer Trockenmauer verstecken sich Eidechsen und Blindschleichen, und ein dummer Maulwurf arbeitet sich immer wieder unter der Wiese hervor.

Dann ist da noch Nachbars Hund Locco, der gerne mit Gino spielen möchte, ihn wenigstens einmal kurz abschlecken. Aber der kleine freche Kater stolziert nur immer hinter dem sicheren Zaun auf und ab. Und wenn er eine Maus gefangen hat, macht er Locco stolz auf seinen Jagderfolg aufmerksam.

Schnee findet Gino echt lustig, es sei denn, er bleibt mit seinem Bauch zwischen 2 Zaunholmen hängen, weil er nicht untendrun-ter durchkriechen kann. Am Silvestermorgen konnte ich ihn gerade noch rechtzeitig befreien, weil ich zufällig aus dem Fenster schaute.
Aber im Schnee kann man auch spielen. Er fängt so gerne Schneebälle, die die Jungs wer-fen. Ganz besonders gut gefällt ihm der Iglu, den sie extra nur für ihn gebaut haben. Er hat einen Eingang oben und einen unten, außerdem noch eine seitliche Rutsche. Der Kleine tobt und jagt herum, bis er müde ist. Oben rein und unten raus und das Ganze umgekehrt. Besonders aufregend sind die lebenden Geschenke, die der Kater mit ins Wohnzimmer bringt und dann frei lässt.  Er findet es total spannend, wenn die ganze Familie in Aktion tritt und Möbelrücken spielt.

Ich habe mit Gino sogar schon einen Fotowettbewerb gewon-nen. Da sitzt der Kater mitten auf einem schneebedeckten Vogel-häuschen. Richtig niedlich. Aber ich habe es trotzdem vermieden, das Bild allzu vielen Tierfreunden zu zeigen. Wenn er tagsüber stundenlang auf Entdeckungsreise war, ist es mir am liebsten, wenn Gino abends bei seiner Familie zu Hause ist. Eines Abends Anfang November kommt  Gino zum ersten Mal nicht nach Hause. „Mach dich nicht verrückt, daran wirst du dich gewöhnen müssen. Katzen sind Nachttiere!", versucht Peter mich nicht gerade überzeugend zu trösten. „Aber es ist doch dunkel und kalt und er ist doch noch so klein, und überhaupt, das hat er noch nie gemacht!" Ich bin todunglücklich und befinde mich in heller Aufregung. Christian bietet an, mit mir nach dem Kleinen zu suchen. Wir bewaff-nen uns mit Taschenlampen und suchen, immer „Gino" rufend, sämtliche Straßen in der Umge-bung ab. Nichts. Keine Antwort. Keine Katze. Mehr können wir im Augenblick nicht tun. Wenn er morgen früh nicht da ist, rufe ich im Tierheim an und gebe in der Zeitung eine Anzeige auf. Aber vielleicht ist er ja auch gleich zu Hause. Ist er aber nicht, und ich bin den Tränen nahe. „Ich meine, ich hätte ein ganz leises Miauen gehört, so an der Grenze zu unseren Nachbarn", meint Chris-tian. Aber wenn dem so gewesen wäre, dann wäre er ja gekom-men. Ich kann nicht ins Bett gehen. Vielleicht kommt er noch, und dann ist niemand da, der ihm die Tür öffnet, und es ist doch draußen viel zu kalt für so einen kleinen Kerl.

Was mag ihm wohl zugestoßen sein? Ich male mir die schreck-lichsten Dinge aus. Nachts, wenn es dunkel ist, erscheint mir alles immer doppelt so schlimm. Die Matratze aus dem Gästebett lege ich auf den Boden, direkt vor die Terrassentür. Die Außenbe-leuchtung schalte ich sicherheits-halber ein. Morgen ist mein Ge-burtstag und ich erwarte schon zum Frühstück Gäste. Wie sehe ich dann aus? Total verheult. Am besten lade ich vorsichtshalber erst einmal sämtliche Gäste aus. Gedacht, getan! Die Nacht ist schrecklich. Ichmache kein Auge zu, überstehe es irgendwie.
Morgens um 7 Uhr sind die Kinder aus dem Haus. Ich sitze mit Peter beim Kaffee. Es ist noch dunkel und wir machen Pläne, wie wir weiter vorgehen können. Zum Suchen ist es noch nicht hell genug. Was für ein Geburtstagsfrühstück, schwarzer
Kaffee und dick verweinte Augen. Um 8 Uhr klingelt das Telefon. Wer will mich denn so früh schon mit einer Gratulation nerven?
Ich bin einfach nicht ansprechbar und Small talk würde mich jetzt glatt umbringen. Aber Peter hebt ab und ich höre, wie er  sagt: „Gott sei Dank, ich komme sofort", dann zu mir: „Locco hat Gino gefunden. Er sitzt bei unseren Nachbarn in der Ga-rage." Peter geht sofort los und holt unseren kleinen zitternden Ausreißer nach Hause. Wie schnell ein trauriger Tagesbeginn sich in Freude umwandeln kann! Was für ein wundervoller Ge-burtstag, ein schöneres Ge-schenk hätte ich mir nicht vorstellen können.
Später kommt die Nachbarin zum Gratulieren. „Er saß in der Gara-ge, in der hintersten Ecke hatte er sich versteckt. Mein Mann hat nichts bemerkt, aber der Hund." Guter Locco, heute kaufe ich dir eine Fleischwurst! Er ist ganz einfach nur neugierig gewesen, der kleine Kater. Und Christian! Hätte ich seine Bemerkung nur ernst genommen! Ich weiß doch, dass er die Flöhe husten hört.

Oje, die Jungs fallen mir ein, sie sind heute Morgen voller Sorge in die Schule gegangen. Ich rufe im Sekretariat an: „Bitte rufen Sie meine Kinder aus und sagen Sie ihnen, dass unser Kater  wieder da ist! Sie waren so besorgt, und Oliver schreibt heute eine Mathearbeit!" Das geht so natürlich nicht. Aber der Biologielehrer kommt zufällig vorbei und informiert meine Jungs.
Ab sofort achte ich noch mehr darauf, dass der Kater zu Hause ist, bevor ich schlafen gehe. Ist er nicht zu Hause, lege ich mich erst gar nicht ins Bett oder stehe ständig auf.
Ich habe keine fiebernden oder zahnenden Babies mehr zu versorgen. Ich muss auch nicht mehr auf dem Sofa hocken und mein Kleinkind nachts in den Laufstall setzen, damit wenigstens die Nachbarn schlafen können. Nein, ich sitze ganz und gar freiwillig auf dem Küchenstuhl oder auf der Terrasse und warte auf den rücksichtslosen Kater. Bei diesen Nachtwachen habe ich erfahren, dass es nachts in unserem Garten wunderschön ist.
„Bei aller Liebe, aber nun spinnst du total", sagt Peter, „jetzt schla-fen endlich die Kinder durch, und du stehst dauernd wegen der Katze auf!" Nein, ich bin wirklich nicht übergeschnappt, nur eben sehr tierlieb. Später gibt er zu, er ist schon vor mir unten gewesen und hat ihn reingelassen. Im Halbschlaf höre ich ihn sagen: „Schlaf weiter, er ist da!" Die Anwesenheit und das Schnurren einer Katze tragen sehr zur Ausgeglichenheit und zum Wohlbefinden bei.
Der tierische Stress bedingt durch Ängste und durchwachte Nächte sind dann schnell vergessen.
Aber ohne Katze geht es wirklich nicht!

 
Copyright 2017. All rights reserved.
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü