Mittwochshund - Pfötchenclub-Olpe

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Marias Katzenwelt
Der Mittwochshund

Von Maria Hof

 Meistens ist es der Mittwoch, wenn ich ins Tierheim fahre, um mir für eine Stunde oder mehr einen Hund auszuleihen.
Nachdem ich zwei anstrengende Arbeitstage verbracht habe, ist es Balsam für meine Seele mit einem Hund durch den Wald zu laufen. Ich gehe davon aus, dass der jeweilige Hund die Spaziergänge genauso genießt wie ich.
In den meisten Fällen überlasse ich es den Tierpflegerinnen, einen geeigneten Hund für mich auszusuchen.
In der letzten Zeit ist es aber öfter vorgekommen, dass ich per Telefon einen bestimmten Hund „vorbestellt" habe.
Auf diese Art und Weise lernte ich auch die 9jährige Nancy kennen. An einem Nachmittag legte mir die Tierheimleiterin die ältere Dame ans Herz und Nancys Leine in die Hand. Wir waren ein gutes Team, gleich von Anfang an. Nancy machte es mir leicht, sie schon bald sehr zu mögen und gut mit ihr umzugehen. Sie war sehr charmant und hübsch und hörte aufs Wort.
Nun „bestellte" ich Mittwochs immer nur Nancy. Bald nicht nur Mittwochs, sondern auch Freitags und Sonntags. Jedes Mal wenn ich kam, war die Freude groß, bei mir genau so wie bei der Hundedame. Sie machte einfach alles richtig und ich war ziemlich stolz, dass mir ein so großer Hund gehorchte. Eine Sache aber störte mich. Nicht , dass es wichtig wäre. Aber es war ihr Name. Ich konnte es nicht ändern; in meinem Kopf hieß sie immer Annie, weil das meiner Meinung nach viel besser zu ihr passte. Manchmal rief ich sie auch so. Aber wie schon gesagt, es war nicht wirklich wichtig.
Wie das öfter bei ältern Hunden vorkommt, hatten sich leider auch bei Nancy Tumore am Gesäuge gebildet. Natürlich sollte alsbald operiert werden. Ich äußerte die Bitte im Tierheim, mich ein bisschen mehr um das Tier nach der OP  kümmern zu dürfen.
Ich dachte, dass ich sie zum Tierarzt begleite und sie nach dem Eingriff noch öfter besuchen komme.
Ich hatte es irgendwie gewusst. Am selben Abend kam der Anruf von Frau Stellbrink vom Tierschutzverein mit der Bitte, Nancy zu mir nach Hause zu nehmen, damit sie sich optimal erholen könne. In Gedanken hatte ich tatsächlich alles schon durchgespielt. Wenn ich mir vorstellen könnte einen Hund zu haben, dann nur diesen.
Nach einer kurzen Diskussion waren meine 3 Männer einverstanden, Nancy für ein paar Tage nach der Operation zu uns zu nehmen. „Dann können wir sehen, wie es mit einem Hund so ist und für mich ist es ungemein wichtig, für dieses Tier etwas Gutes zu tun. Wenn alles optimal läuft, dann können wir ja überlegen, wie es wäre, wenn........?, waren so meine Gedanken.
Aber da wäre auch noch Tina, meine Katze. Und Tina zeigte sich bisher stets überaus unverträglich, seien es Artgenossen oder andere Tiere oder Menschen etwa mit lauten und ihr unangenehmen Stimmen. Wir warteten natürlich gespannt auf ihre Reaktion, denn von ihrer Sympathie würde alles Weitere abhängen. Aber trotzdem, 3-4 Tage schaffen wir das.
Am Dienstag Abend holten mein Mann und ich die Hündin nach erfolgter OP beim Tierarzt ab. Sie war bereits topfit und begrüßte uns freudig. Nach einigen Instruktionen unser weiteres Verhalten betreffend, fuhren wir nach Hause.
Unsere Tina schaute vorsichtig um die Ecke und verzog sich schnell und fauchend wieder in ihr sicheres Körbchen.
Von nun an klebte Nancy mir förmlich am Bein. Überallhin folgte sie mir. Wollte ich den Raum verlassen, fing sie an zu weinen. Nur mit Mühe konnte ich allein wenigstens zur Toilette gehen. Kam ich aus dem Keller oder einem anderen Zimmer zurück, begrüßte sie mich schwanzwedelnd, als wäre ich einen Tag lang fort gewesen. Wenn sie ein Ruhebedürfnis verspürte, legte sie sich mitten in die Küche oder in die Türöffnung, damit sie nicht die kleinsten Aktionen verpasste.
Ich dachte ,dass Nancy in der ersten Nacht im Wohnzimmer und ich im Gästezimmer schlafe, damit ich höre, wenn sie raus muss oder gar Schmerzen hat. Vergiss es! Nancy musste nicht raus, sie hatte auch keine Schmerzen und sie schlief erst recht nicht im Wohnzimmer. Vielmehr war sie der Meinung, dass ich das Bett im Gästezimmer selbstverständlich für sie bezogen hatte. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass ich im Bett und sie auf der Decke vor dem Bett schläft. Das haben wir vier Nächte lang so gemacht. Wir haben geschlafen von abends 22.00 bis zum nächsten Morgen um 9.00 Uhr. Es waren friedliche Nächte; wir haben sie beide genossen.
Nancy benahm sich bereits am zweiten Tag, als wäre nie die Rede von einer Operation gewesen. Wir sind schon ein bisschen spazieren gegangen, aber nur da, wo kein Schlamm und kein hohes Gras war. Die Nachbarn wunderten sich über „meinen" neuen Hund und fanden Nancy alle so süüüüß. „Die kannst du doch sicher nicht mehr abgeben"?, war die Vermutung. Bei uns war nichts entschieden. Wir hatten uns erst mal auf vier  Tage Pflege eingestellt. Sollte mehr daraus werden, umso besser. Aber Tinas Beziehung zu dem Hund zeigte keinerlei positive Entwicklung.
Im Gegenteil, sie fauchte die Konkurrentin aus der Ferne an und verschwand ganz schnell und geduckt um die Ecke. Tina hat nicht sehr viel Übung mit Fauchen. Daher verschluckte sie sich öfter dabei, so dass nur ein jämmerliches Krkrkr....herauskam.
Unsere Heiterkeit darüber trug auch nicht dazu bei, dass die Katze sich besser fühlte.
Dann war da noch die Sache mit dem Futter. Wenn der Hund etwas bekam, wurde auch die Katze gefüttert. Die Näpfe waren einige Meter voneinander getrennt. Zur Feier der Tage gab es schon mal Leckereien wie Fleisch- und Putenwurst oder Thunfisch. Es stellte sich ganz bald heraus, dass Nancy, wenn sie denn ihren Napf hastig geleert hatte, Anspruch auf Tinas restliches Futter erhob. Plötzlich fing sie sogar an zu knurren und fletschte die Zähne, was die Katze völlig verschreckte. Tina trat wieder mal die Flucht nach oben an, beinahe über den Boden kriechend.
„So wird das nichts", stellten wir fest, „wenn sie doch wenigstens einmal mit der Tatze für Klarheit sorgen würde, um zu zeigen, wer die Frau im Haus ist!"
Wir wussten, dass die Katze schwierig ist, wollten vor Jahren einem Tier ein Zuhause geben, dass es nicht so leicht hat. Das ältere Tier hat die älteren Rechte. So beschlossen wir schweren Herzens, den Hund am nächsten Tag zurück ins Tierheim zu bringen. Dies teilte ich Frau Stellbrink am Abend noch mit. Schade, aber es ist nicht zu ändern. Wir wollten für beide Tiere das Beste, aber Zusammenführungen lassen sich nicht erzwingen.
Am Samstagmorgen ein letzter Spaziergang. Mit Oliver, meinem Sohn, den Nacny sofort fest in ihr Hundeherz geschlossen hatte. Es war mein Geburtstag und ich hatte noch einige Dinge vorzubereiten. Die Beiden gingen nicht, wie ich vorgeschlagen hatte, über die geteerte Straße, sondern machten einen ausgiebigen Spaziergang durch den regennassen Wald. Und genau so sah auch Nancy aus. Ihr zuvor schöner weißer Body zum Schutz der Operationswunde war hässlich braun. „So schmutzig können wir den Hund nicht abgeben", stellte ich fest. „Bitte hole eines von deinen T-Shirts!" Und so kleideten wir Nancy in ein Metal-T-Shirt von Hammerfall. Klasse sah sie aus. Wir haben schöne Fotos von ihr gemacht.
Inzwischen hatte sich Frau Stellbrink noch einmal telefonisch gemeldet. „Ich habe nachgedacht, das Tier geht nicht mehr zurück ins Tierheim. Wir treffen uns mittags und Nancy geht mit mir nach Hause als Hund Nummer 4."
Wie war ich froh. Wenn Nancy schon nicht mein Geburtstagsgeschenk werden konnte, so hat sie wenigstens ein schönes neues Zuhause erhalten. Nur kann sie jetzt nicht mehr in Annie umbenannt werden, denn dort gibt es schon eine Hündin mit diesem Namen. Aber das sollte wohl das kleinste Problem sein.
 
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